Die Polizeiinspektion Diepholz hat die Verkehrsunfallstatistik 2025 vorgelegt. Während die Gesamtzahl der Unfälle stagniert, gibt es bei den Schwerverletzten einen alarmierenden Anstieg um 24 Prozent. Geschwindigkeit bleibt Hauptunfallursache.

Auf den ersten Blick scheinen die Zahlen beruhigend: Mit 4985 registrierten Verkehrsunfällen liegt die Polizeiinspektion Diepholz nahezu auf Vorjahresniveau (2024: 4994). Doch ein genauer Blick in die Statistik offenbart besorgniserregende Entwicklungen, die zum Handeln zwingen.
Dramatischer Anstieg bei schweren Verletzungen
Besonders alarmierend ist der massive Anstieg bei Unfällen mit Schwerverletzten: Von 129 im Jahr 2024 auf 160 im vergangenen Jahr – ein Zuwachs um 24 Prozent. „Jeder Verkehrsunfall kann tragische Folgen haben“, betont Ingo Büntemeyer, Sachbearbeiter Einsatz und Verkehr der Polizeiinspektion Diepholz. Die Zahl der tödlich endenden Unfälle sank zwar leicht von 16 auf 14 Unfälle, doch jedes Todesopfer sei eines zu viel, so Polizeioberrätin Vera Bornhorst, Leiterin Einsatz der Polizeiinspektion Diepholz.
Die Polizei arbeitet nach dem Leitbild der „Vision Zero“ – dem Ziel, schwere Unfälle gänzlich zu vermeiden. „Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang neben den Verunfallten die Einsatzkräfte, die Angehörigen, die Freunde und das gesamte Umfeld, das von diesen tragischen Ereignissen betroffen ist“, erklärt Bornhorst.
Geschwindigkeit und Vorfahrtsmissachtung als Hauptursachen
Die Hauptunfallursachen für tödliche Verkehrsunfälle sind laut Polizeistatistik unverändert nicht angepasste oder zu hohe Geschwindigkeit sowie das Missachten von Vorfahrtsregeln. Gerade in Zeiten, in denen moderne Fahrzeuge immer PS-stärker werden, bleibt die überhöhte Geschwindigkeit ein zentrales Problem auf unseren Straßen – ein Problem, das durch Technik allein nicht zu lösen ist, sondern verantwortungsvolles Verhalten erfordert.
Besondere Risikogruppen im Fokus
Mehr als die Hälfte der tödlich Verunglückten waren Seniorinnen und Senioren (53,3 Prozent). Die Polizei hat diese Risikogruppe daher als einen der Schwerpunkte für 2026 definiert. Eine positive Entwicklung gibt es bei Pedelec-Fahrenden: Die Zahl der tödlich verunglückten Nutzerinnen und Nutzer von Elektrofahrrädern sank von fünf auf zwei – ein Rückgang um 60 Prozent.
E-Scooter: Unfallzahlen steigen drastisch
Besorgniserregend entwickelt sich hingegen das Unfallgeschehen mit E-Scootern. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Elektrotretrollern um 42,5 Prozent – von 40 auf 57 Unfälle. Dies zeigt, dass die zunehmende Verbreitung dieser Mikromobilitätsformen auch neue Herausforderungen für die Verkehrssicherheit mit sich bringt.
Strategie 2026: Intensive Kontrollen geplant
Für das laufende Jahr hat die Polizeiinspektion Diepholz klare Schwerpunkte gesetzt: intensive Geschwindigkeits- und Fahrtüchtigkeitsüberwachungen, besonderes Augenmerk auf Seniorinnen und Senioren sowie verstärkte Aufmerksamkeit für Zweiradfahrende, insbesondere Pedelec-Nutzer.
„Verkehrsunfälle zu reduzieren und die Zahl von Verletzten und Toten zu senken“ müsse weiterhin oberstes Ziel sein, so Büntemeyer. Doch das schaffe die Polizei nicht allein: „Verkehrssicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe, zu der alle Menschen im Landkreis Diepholz beitragen können und auch müssen.“
Perspektive: Strukturelle Veränderungen notwendig
Die Statistik macht deutlich: Appelle allein reichen nicht aus. Neben verstärkten Kontrollen braucht es auch strukturelle Veränderungen in der Verkehrspolitik. Der Ausbau sicherer Radwege, die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs als Alternative zum motorisierten Individualverkehr und verkehrsberuhigte Maßnahmen in Ortsdurchfahrten könnten dazu beitragen, die Vision Zero tatsächlich zu erreichen.
Denn solange Geschwindigkeit und Vorfahrtsmissachtung die Hauptunfallursachen bleiben, muss auch über bauliche und verkehrsrechtliche Maßnahmen nachgedacht werden, die risikoreiche Verkehrssituationen von vornherein vermeiden – zum Schutz aller Verkehrsteilnehmenden.
Quelle: Pressemitteilung der Polizeiinspektion Diepholz, Verkehrsunfallstatistik 2025
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