Bassum macht sich auf den Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Der Stadtrat hat den Kommunalen Wärmeplan beschlossen – ein Fahrplan, wie die Stadt ihre Wärmeversorgung bis 2040 vollständig auf erneuerbare Energien umstellt. Was das für Hauseigentümer bedeutet, wo Wärmenetze entstehen sollen und warum die Sanierungsquote dringend steigen muss, lesen Sie hier.

Ein historischer Tag für die Stadt Bassum: Der Stadtrat hat am 12. März den Kommunalen Wärmeplan verabschiedet. Das Dokument gibt den Fahrplan vor für eine vollständig klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040. Erstellt wurde der Plan von der BEKS EnergieEffizienz GmbH aus Bremen und der Smart Geomatics Informationssysteme GmbH aus Karlsruhe.

Bassum zeigt damit, dass auch eine Mittelstadt ohne eigene Stadtwerke die Wärmewende aktiv gestalten kann.

Alte Heizungen, viel Erdgas, wenig Klimaschutz

Die Bestandsanalyse des Wärmeplans zeichnet ein klares Bild: Rund 71 Prozent der Wärme in Bassum wird noch mit Erdgas erzeugt, fast 17 Prozent mit Heizöl. Wärmepumpen spielen bisher kaum eine Rolle – ihr Anteil liegt bei nur 0,3 Prozent. Die Folge: Über 45.000 Tonnen CO₂ pro Jahr allein aus der Wärmeerzeugung. Das sind etwa 2,6 Tonnen pro Einwohnerin und Einwohner.

Foto von Nadine Marfurt auf Unsplash
Foto von Nadine Marfurt auf Unsplash

Besonders alarmierend: Fast 30 Prozent der Heizungen in Bassum sind älter als 20 Jahre. Sie entsprechen nicht mehr heutigen Effizienzstandards und müssen in den kommenden Jahren dringend ersetzt werden. Das ist aber auch eine Chance, denn beim Austausch lässt sich gleich auf klimafreundliche Technologien umsteigen.

Große Potenziale für Sonne, Wind und Erdwärme

Die Potenzialanalyse des Wärmeplans zeigt beeindruckende Zahlen: Allein auf Bassumer Dächern ließe sich technisch gesehen mehr als das Eineinhalbfache des aktuellen Strombedarfs der Stadt erzeugen. Die bereits vorhandenen 46 Windräder produzieren heute schon rund 400 Prozent des örtlichen Strombedarfs.

Auch die Erdwärme bietet enorme Möglichkeiten. Auf vielen Grundstücken in Bassum sind Erdwärmesonden technisch gut umsetzbar.

Zwei Gebiete für Wärmenetze

Als besonders geeignet für den Aufbau von Wärmenetzen hat das Planungsteam zwei Gebiete identifiziert: den Innenstadtbereich mit Sulinger und Bremer Straße sowie die Gegend um die Berliner Straße mit den Schulen.

Für den Innenstadtbereich, in dem viele Geschäfte und öffentliche Gebäude stehen, wurden verschiedene Varianten durchgerechnet. Am besten schnitt wirtschaftlich ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz ab. Dabei wird die Wärme über Erdsonden aus dem Boden geholt und über ungedämmte Rohre zu den Häusern transportiert. Ein großer Vorteil: Im Sommer kann die Abwärme von Kühlungen – zum Beispiel aus Supermärkten – direkt ins Netz eingespeist werden.

Im Gebiet um die Berliner Straße mit den beiden Schulen erwiesen sich Mikronetze als kostengünstigste Lösung. Dabei teilen sich mehrere Reihenhäuser eine gemeinsame Wärmepumpe.

Was bedeutet das für die Bürgerinnen und Bürger?

Der Wärmeplan ist keine sofortige Verpflichtung für Hauseigentümer, sondern eine strategische Orientierung. Für die meisten Bassumer Ortsteile mit lockerer Bebauung sieht der Plan eine dezentrale Versorgung vor. Das bedeutet: Luft-Wasser-Wärmepumpen oder bei schlecht gedämmten Gebäuden Pelletheizungen.

In den möglichen Wärmenetzgebieten sollten Eigentümerinnen und Eigentümer jedoch mit einer Entscheidung rechnen: Bis 2040 wird hier der Aufbau von Nahwärmenetzen angestrebt. Wer sich anschließt, spart sich die eigene Heizungsinvestition und muss sich nicht um Wartung und Reparatur kümmern. Allerdings kommen Netzanschlusskosten auf die Haushalte zu.

Die Stadt will unterstützen: Geplant sind monatliche Energieberatungen der Verbraucherzentrale im Rathaus, Informationsveranstaltungen und eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Handwerkerschaft.

Mehr Sanierungstempo nötig

Eine zentrale Erkenntnis des Wärmeplans: Wer saniert, spart doppelt. Aktuell liegt die Sanierungsquote in Bassum bei nur etwa einem Prozent pro Jahr – zu wenig, um die Klimaziele zu erreichen. Würde sich die Quote auf zwei Prozent verdoppeln, ließen sich bis 2040 rund 16 Prozent Wärme einsparen.

Besonders Gebäude, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung von 1978 gebaut wurden, bieten großes Einsparpotenzial. Eine vollständige Sanierung aller Wohngebäude würde den Energiebedarf in Bassum etwa halbieren.

Das sind die nächsten Schritte

Der beschlossene Wärmeplan ist nun die Grundlage für weitere Aktivitäten. Die Stadt wird zeitnah:

  • eine Suche nach Betreibern für die Wärmenetze starten,
  • Förderanträge für Machbarkeitsstudien stellen,
  • das Beratungsangebot für Bürger ausbauen und
  • die Sanierung kommunaler Gebäude – insbesondere der Schulen – vorantreiben.

Alle fünf Jahre muss der Plan fortgeschrieben werden. Der nächste Schritt ist das Jahr 2031 – dann wird sich zeigen, ob Bassum auf Kurs ist.

Die Wärmewende ist eine große Gemeinschaftsaufgabe. Aber mit dem Wärmeplan haben Politik, Verwaltung und Bürgerschaft jetzt einen klaren Fahrplan. Jetzt geht es an die Umsetzung.


Der Kommunale Wärmeplan ist ab sofort auf der städtischen Homepage unter http://www.bassum.de/waermeplan einsehbar. Für Rückfragen steht das Klimaschutzmanagement der Stadt Bassum zur Verfügung.

Quelle: Kommunaler Wärmeplan Stadt Bassum (Fassung Februar 2026, beschlossen am 12. März 2026), erstellt durch BEKS EnergieEffizienz GmbH und Smart Geomatics Informationssysteme GmbH. Gefördert durch die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

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