Eindrucksvolle Kunstobjekte aus Holz und Metall von Hartmut Laack und Fiets Ulfert werden in der Syker Stadtbibliothek vom 17.03. – 15.04.2025 ausgestellt. Der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) organisiert die Ausstellung.

Wer sich dieser Tage mit dem Thema Migration beschäftigt, wird mit einem Übermaß negativer Darstellungen bis hin zu Hass und Hetze konfrontiert, die in der Flucht hilfsbedürfter Menschen das größte Problem unserer Zeit sehen. Die Kunstausstellung zum Thema „Flucht“ in der Syker Stadtbibliothek setzt dem eine klare, positive Gegendarstellung entgegen. Es kommen diejenigen zu Wort, welche das Thema am meisten betrifft: Menschen mit Fluchterfahrung selbst.
Schon in der Eröffnungsrede von Katja Schenkel (VNB) formulierte diese klar, dass das Ziel der Ausstellung sei, in die negative Darstellung Geflüchteter sowie den insgesamt dominierenden gesellschaftlichen Rechtsruck „hineinzugrätschen“. Der Vernissage gelang dies, indem sie neben den Künstlern Hartmut Laack und Fiets Ulfert, der Bürgermeisterin der Stadt Syke, Suse Laue (SPD), sowie den Koordinator:innen der Ausstellung eben diejenigen zu Wort kommen lässt, welche im öffentlichen Diskurs oft nicht gehört werden.
Beispielsweise durch die berührende musikalische Darbietung der „Zukunftsheld*innen“, einer Projektgruppe Jugendlicher des VNB. Diese trugen ein selbstgeschriebenes Lied vor, in welchem sie deutlich machten, dass Flucht uns alle angeht: „Es kann jedem passier’n, dort oder hier, jetzt oder nie, Dir oder mir.“ Ein Großteil der Jugendlichen hat dabei selbst Fluchterfahrungen, wie man im Gespräch mit ihnen beim Besichtigen der Ausstellung erfahren konnte.
Ebenfalls musikalisch aktiv waren der Internationale Chor aus Bruchhausen-Vilsen gemeinsam mit Teilnehmer:innen der Sprachkurse sowie der antifaschistischen Mahnwache „Wir sind mehr – Bassum gegen Rechts“, welche montags um 18:45 Uhr die Gegendemonstration zur AfD am Bassumer Rathaus organisieren. Sie trugen mit „Harbour“ von Anna Tabbush ein Stück vor über die offene Tür für Menschen, die eine solche brauchen, sowie der Kanon „Bela Mama“.
Die Kunstobjekte wurden ergänzt durch Informationsmaterialien zum Thema Migration und Flucht. Michael Röder (VNB) machte die Fluchterfahrungen greifbar durch eine Lesung ausgewählter Fluchtgeschichten, welche auch im Rahmen der Ausstellung aushingen. Immer wieder konnte man in den Geschichten hören, auf welche Weise die zu uns geflüchteten Menschen für unsere Gesellschaft eine Bereicherung darstellen, und nachvollziehen, warum eine Flucht die oftmals einzig mögliche Entscheidung darstellte. Auch Suse Laue (SPD), Bürgermeisterin der Stadt Syke, betonte, dass wir als Gesellschaft einerseits die Verpflichtung haben, Menschen in Notsituationen zu helfen, und uns andererseits glücklich schätzen können, dass unsere Gesellschaft mit ihnen bunt und vielfältig wird.
Marion Rolle (VNB), Koordinatorin der Veranstaltung, dankte den beiden Künstlern für das freundliche Angebot, ihre Kunstobjekte kostenlos für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen, sowie der Stadt Syke, dass diese die Räumlichkeiten für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Die Kunstobjekte stellen vornehmlich Boote dar, auf ihnen sind in unterschiedlicher Weise die Flüchtenden dargestellt. Trotz der abstrakten Darstellung fällt die Menschlichkeit dem nicht zum Opfer, jede Figur verkörpert einen eigenen Charakter. Betroffen machen insbesondere die kleinen, kindlichen Figuren, welche man auf den ersten Blick zwischen den großen Figuren beinahe übersieht. Hartmut Laack und Fiets Ulferts aus Rhauderfehn (Ostfriesland) beschrieben, dass die Begegnung und der Austausch mit geflüchteten Menschen sie dazu bewegt hat, sich dem Thema Flucht künstlerisch zu widmen. Dabei war ihnen insbesondere wichtig, die Enge auf den Booten darzustellen, mit welchen Menschen das Mittelmeer zu überqueren versuchen. „Wenn wir auch nur 20 Minuten so eng stehen müssten, fänden wir das schon unangenehm“, verdeutlichten die Künstler. Diese potentiell lebensbedrohliche Situation über Tage aushalten zu müssen, unter großem Stress bis hin zur Todesangst, das habe sie inspiriert, sich dem Thema künstlerisch zu nähern. Das Künstlerduo ergänzt sich dabei gestalterisch: Fiets Ulferts arbeitet mit Metall, Harmut Laack mit Holz. Beide Materialien kennzeichne, dass sie sich im Laufe der Zeit verändern, indem sie verwittern und rosten, und somit wie das Leben selbst im Wandel seien. Als sie die Kunstobjekte zuerst ausgestellt hätten, sei in ihrem Heimatdorf der Umgang mit geflüchteten Menschen noch von weitaus mehr Hilfsbereitschaft geprägt gewesen. Jetzt bemerkten sie eine deutliche Veränderung: die Gemeinde Rhauderfehn wolle inzwischen für Flüchtlinge lediglich die Unterkunft zur Verfügung stellen. Eine weitere Unterstützung bei der Integration sei laut den Künstlern finanziell nicht abgedeckt und entsprechend nicht vorgesehen. Auch das ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde sei deutlich zurückgegangen. „Dass damit Probleme vorprogrammiert sind, ist ja klar“, kritisieren die Künstler. Dagegen wollen sie sich positionieren, darauf wollen sie aufmerksam machen.
Wer die Ausstellung selbst erleben möchte, hat dafür noch bis zum 15.04.2025 einschließlich die Gelegenheit, die Ausstellung zu den regulären Öffnungszeiten der Stadtbibliothek Syke zu besichtigen. Wer dazu keine Gelegenheit hat, kann hier von zu Hause aus einen Einblick in die Ausstellung gewinnen.
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